TOM DE TOYS, 23.2.00
 
INTEGRALER IMPRESSIONISMUS
DAS ÜBERWITZIGE HAT NICHTS ZU LACHEN

Bis 1989 war meine Malerei stark beeinflußt von Meditation, Psychotherapie und esoterischer Lektüre. Stilistisch war es aufgrund der philosophischen Fragen unvermeidbar, in eine immer komplexere Abstraktion zu driften mit dem unerwarteten Resultat, einen religiösen Schwindel in meiner Sehnsucht zu bemerken, den es als MYSTISCHE INFLATION zu bezeichnen galt. Ich fühlte mich plötzlich als Marionette sämtlicher Denktraditionen, die jedem Menschenkind im zivilisatorischen Prozess zum Begreifen der vorhandenen Welt geboten werden. Und ahnte, daß die Befreiung des Bewußtseins nicht durch Besitz von Antworten passierte sondern durch Auflösung der Fragen. Mit gespielt christlichem Jargon erkannte ich: „Der Gottesverlust ermöglicht die Unendlichkeit der Schöpfung.“ (Zitat aus: „Die Welt als Schock und erweiterte Tatsache“, Werkquerschnitt 1985-95, G&GN-Verlag) Ich hatte den Zweck meiner Malerei ad absurdum geführt. Lange Spaziergänge und leiborientierte Performances folgten, um dieser schwindelerregenden BODENLOSIGKEIT standzuhalten.
Dank des kontaktiven Urerlebnisses am 5.5.1989 sammelten sich neue Energien & Ebenen in meiner Wahrnehmung als überraschender „Schadensersatz“ für die implodierte Illusion von Kerntheorien: Der Quantensprung durchs LOCH war derart überwältigend und zugleich dermaßen witzig, daß mir noch heute sowohl Kniee als auch Zwerchfell beim Ausschneiden der Sonne (klassisches Gottessymbol) auf meinen Skizzen zittern. Anfangs zerrte noch die spätpubertäre „Melancholie des Narziß“ an meinen Nerven, wie mir ein  –nicht peinliches, aber prägnantes–  Gedicht von damals beweist (heute sähe der Titel vermutlich anders aus, wenn ich noch Gedichte schreiben würde: „EN(T)D-ECKUNG“)...
 

Endeckung
 
Ach ich will kein einziges Wort
Und Bilder brauch ich auch nicht meer
Überall und immerfort
Bin ich alleine frei und leer
 
Vergebens such ich nach dem Leid
Das meinen Lebensweg versperrt
Draußen ist man doch zu zweit
Wenn das Wesen umgekehrt
 
Mittlerweile kenne ich mehrere Menschen, die mir bestätigen, daß diese visuell & verbal nachvollzogene „Mystik des Natürlichen“ erst der Anfang sei und neuere Wissenschaften unsere spirituelle Forschung ergänzen. Im gesellschaftlichen Gesamtkontext gesehen gruselt mir allerdings trotzdem bei dem Verdacht, daß DIE TOURISTISCHE HYPNOSE inzwischen nur noch von einem Häufchen Echtheitsfanatiker boykottiert wird, während nun sogar über Genmanipulation & Neurochips (wie z.B. brandneu für Blinde im Sehzentrum) der Weg zur totalen (cyber-organischen) Kontrolle herbeigesteuert wird. Die seltsame „Seinsvergessenheit“ (Heidegger) einer blind-bedürftigen Menschheit, die ihre selbsterfundene Angst vor Leuchtender Leere bei paranormalen Erlebnissen (ohne virtuelle Fiktion!!!) durch eine hohle Eventkultur überkompensiert –  und die schönen Künste dabei bloß als Prostituierte der Kollektivpsychose dienen.  Wie schön....
 
 
 
"ERWEITERTES B-PANORAMA", 19./20.2.00, Edding + Loch auf Papier
 
 
 
 
"TACHELES"  (17.2.00, Nr.2)
"TACHELES"  (17.2.00, Nr.6)
"ALLIANZ"  (2.9.99, Nr.2)
"ALLIANZ"  (2.9.99, Nr.5)
 
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