DNÄ (Der Nachäffer),
2./3.10.99
VERLUST
DER WUNDER
die wirklichkeit tanzt
als digitale blüte
radioaktiver tage
durch
den goldregen
unschuldiger zungen
mit flügeln aus schweiß
ohne furcht vor liebe
schnell wie ein trauriger
traum verbrannter
räume bettenloser
lust auf menschliche spiele
keine kunst
so erfolgreich wie
heißer wind
am wegesrand
DNÄ (Der Nachäffer),
9.9.99, 9:99 ur
ÜBERTERM(IN)
kein kalender
in der mitte meiner
sorgen seele sagt
nicht nein noch ja
die ränder öffnen
sich bis feiner
rausch durch höchste
zeiten fahren
kann wie wahr
DNÄ (Der Nachäffer),
3.9.99
ÜBER(ANT)WORT
bin ich
es wirklich
oder der
andere keine
frage nur
bleibt alles
zugleich ganz
besonders durch-
schnittlich wie
etwas womit
sich rechnen
läßt trotz
jeder weiteren
gegenwart als
gegenwart ohne
rücksicht auf
das nächste
wort über
das wort
als wort
über das
wort als
wort über
das wort
ALS WORT
das wort
wort über
wort als
über das
als wort
das wort
wort über
das nächste
rücksicht auf
gegenwart ohne
gegenwart als
jeder weiteren
läßt trotz
sich rechnen
etwas womit
schnittlich wie
besonders durch-
zugleich ganz
bleibt alles
frage nur
andere keine
oder der
es wirklich
bin ich
DNÄ (Der Nachäffer),
27.8.99
ÜBERHILFE
wir haben
die sonnenfinsternis
als einzige überlebt
und wurden
im raumschiff
wieder und wieder
wiederbelebt dank
außerirdischer hilfe
lieben wir uns
im mondenschein
unsere liebe ist größer
als der liebe gott
wir brauchen nie
mehr zu weinen
vergessen sind religionen
und der ganze schrott
schon wieder ist vollmond
in der großen stadt
es geht uns zu schnell
wir drehen am rad
es ist sternenklar
der mond scheint hell
wir lieben uns
weiter unsere liebe
ist heilig und wahr
DNÄ (Der Nachäffer),
11.8.99, Sternberg (SÜHD-Deutschland)
SONNENSICHEL
ich sah
alles
ohne licht
die landschaft
kernlos grün
vom mond bedeckt
kein vogel sang
kein wind bewegte
schatten fiel durch
runden regenbogen
leises loch
schleicht über
unsre erde
dämmerung verscheucht
das wolkenmeer
für augenblicke
strahlt ein stern
danach
setzt nieselregen
nur denselben
mittag fort
DNÄ (Der Nachäffer),
4.-5.7.99, Jülich
SO
NETT
(Am
Sterbebett Bertolt Brechts)
O wenn mein Hirn, längst weinend
im Entweihten,
von aller Kunst und Zeitverzicht
gebannt,
urplötzlich hört, wie
man es umbenannt
(durch Überflut, die Falle
des Gescheiten) !
Wie soll es ruhn ? Wozu ins
Ferne reiten ?
Wenn alles so unendlich und bekannt...
Den Vers zu schmelzen, wagte seine
Hand,
nur zwingt das lose Stammeln uns,
zu streiten.
Hier streiten Hirne, die das Grammatische
betrog,
ob Reim und
Regeln immernoch die Welt verführen:
so reizvoll ist des Altmodernen
Sog.
Wer IST denn leer ? Und wer
verweilt im Maß ? –
Wen solche Glanzfragen bereits
berühren,
denkt außerdem, was man erstrecht
vergaß.
...ach SO NETTE...
(Samuel Lépo)
DNÄ (Der Nachäffer),
31.3./1.4.99
(cooperiert mit J.M: „heimat“)
ÜBERGANG
(SPIRITUELLER
SPAZIERGANG)
in Jülich
ist der vollmond
groß und leuchtet
wie die sonne
kurz zuvor und
kurz danach und
wenn ein mensch
spazieren geht dann
Sieht er beide
stumm ganz rund
ganz langsam ganz
zielsicher in die jeweils
Andre richtung wandern
während dieses rauschen
dieses kleinen flusses
alle zeit vergißt vor
lauter sternenhimmel
wo antennen fernen welten
eine botschaft bieten
die erst Jahre später
in der heimat landet
DNÄ (Der Nachäffer),
21.-22.3.99
(inspiriert durch Rainer Maria
Rilke:
„DER TOD DER GELIEBTEN“ &
J.M: „land“ –
vgl. Samuel Lépo: „FRÜHLINGSGEFÜHLE“-Essay)
ÜBERLAND
(DIE
TAT DES GELOBTEN)
Er wohnte nur im Tanz wie alle
Weisen:
die es nutzen und die Stille stören.
Anderes bleibt fast nicht auszudenken,
ja, lauthals sind anfangs alle
Scharlatane,
glühend konnten sie uns früher
retten,
(ganz, als ob sie Kräfte hätten)
lächelnd noch dem Mond zuhören
-.
Dann in ferne Welten reisen:
dort wird jeder so erkannt,
wie er sich selbst am nächsten
schien;
im Niemandsland braucht keiner
fliehn
und glaubt nur was er wirklich
kennt,
das Gerngesehene kriegt keine Prügel
!
Und du spürst jetzt endlich
deine Flügel...
DNÄ (Der Nachäffer),
26.4.98
(in Gedenken an Tschernobyl
1986;
inspiriert durch T.T.: „MANTRA“,
publiziert in:
„JeDaZeitBereit“, erhältlich
im Buchhandel sowie signiert
im Tacheles-Literatursalon für
nur 11 DM)
13.ANGEWANDTER
ANTI-ATOMARER AUTISMUS
(MANTRA
FÜR MACHER)
wenn die welt anfängt
ins sinnliche bewußtsein
zu treten
weil alle gedanken so zuende gedacht
wurden daß sämtliche
antworten
im äußersten wechselspiel
münden
wo du mir im wirklichen blickfeld
als leibhaftige wahrheit
mit greifbaren gesichtern erscheinst
deren möglichkeiten verschiedener
austauschverhältnisse
zur gewissen begegnung
aus der vergegenwärtigung
ihrer
gegenwart führt
wodurch das tätige jeder tat
als gehandelte handlung
handgreiflich eingreift
ins schicksal der schicken
geschicke geschickter geschickter
und ungeschickt ungeschickter
vertreter grausam großartiger
wirklichkeit unausweichlicher
anwesenheit in der tatsächlichen
sachlichkeit dessen was sich
dann wenn es anfängt
ganz einfach nur welt nennt
und dabei selbst darum
nicht weiß daß sie
erst anfängt
für denjenigen ernsthaft
vorhanden zu sein wenn
seine hände genügend
ergriffen
vom sein ihres daseins sind