MAHNEN
OHNE MAL
Der
Tacheles-Hausdichter Tom de Toys
plädiert
für eine „soziale Mahnplastik“.
BERLIN-MITTE/
Mit großer Besorgnis verfolgt der Off-
Lyriker T.de.T.,
bekannt durch seine
Wahrnehmungstheorie
„Erweiterte Sachlichkeit“, die
Argumentationsschleifen
bezüglich des Holocaust-
Mahnmals. Seiner
Meinung nach verlaufen die
Diskussionen
über diese Finanzinvestition letztlich
unzeitgemäß,
denn mit Joseph Beuys sei eigentlich eine
Ära lebendiger
ästhetischer Kritik angebrochen, die
keine starren
und stummen Skulpturen favorisiert
sondern, der
Fluxusidee folgend, den realen
Notwendigkeiten
der (über-)lebenden Menschen gerecht
werden will.
Im Klartext hieße das erstmal: keine teuren
Symbole errichten,
deren passive Alibi-Funktion zur
ausgiebig betonten
Gefahr von Kunst zählt. Stattdessen
sollten die Steuergelder
in praktische Projekte fließen,
die sowohl zur
Bewußtseinsschärfung latenter Intoleranz
in vermeintlich
demokratischen Demokratien dienen als
auch engagierten
Randgruppen helfen, ihre oftmals aus
Idealismus und
eigener Betroffenheit ehrenamtlich
betriebenen Aufklärungskampagnen
zu intensivieren. In
einer Zeit neuer
Armut & Arbeitslosigkeit täten unsere
Volksvertreter
besser daran, dem wachsenden
Unterdruck vorzubeugen,
der durch Entnahme von
heißer
Luft in angeblich leeren Kassen entsteht. Das
scheinbare Interesse
an sogenannter moderner Kunst
als gesellschaftlich
brauchbare Leistung vertusche bloß
die Ablenkungsmanöver
von Politikern, denen es selber
an humanistischen
Visionen fehle und die keinen
Zugang zum harten
Alltag von „ganz normalen
Außenseitern“
haben: ob homosexuell, ob künstlerisch
provokant, ob
Hautfarbe, Geschlecht oder Alter – ganz
gleich wie die
Abweichung von Gesetzen und Trends
aussieht, das
tagtägliche Unrecht an Unbestechlichen
sei ein globaler
Skandal, dem kein Mahnmal in einer
sterilisierten
Hauptstadt genügt. T.de.T. verweist
abschließend
auf hoffnungsvolle Initiativen wie die
Studentenproteste,
die Love Parade, alternative Medien
und generationenübergreifende
Solidarisierungen für
Weltfrieden und
eine freie Kultur von neuen Menschen,
die „Andersartigkeit“
als Bereicherung statt Bedrohung
empfinden. Dies
seien Anzeichen für den allmählichen
Übergang
ins ZEITALTER RADIKAL POSITIV
ERWACHTER, das
sich nicht erst mit dem
Psychotherapie-Boom
der 80er-Jahre einleitet. Unter
dem Motto „Holismus
statt Holocaust“ rebellieren
sehnsüchtige
Seelen immer schon mit ihren ganz
eigenen/eigenwilligen
Mitteln und Möglichkeiten,
manchmal eher
unauffällig oder bloß durch
Kraftsammeln
im inneren Exil, und manchmal wundern
sich die Machthaber,
daß sie noch nicht einmal das
Echo der tickenden
Zeitbombe hörten...
...ach
SO NETTE... (19.7.99)
FRÜHLINGSGEFÜHLE
(4/99)
"Kieler Kürzung"
(4./5.12.97)
SOL(I)DA(RITÄ)T
(20.11.97)