Samuel Lépo,  19.7.99
 
DNÄ-NACHDICHTUNG
(Eine ach SO NETTE Erläuterung der Rückseite der freien Dichterei)
 
Als sich Tom de Toys  Anfang der 90er des 20.Jhd.`s entschied,
die Malerei vorerst einzustellen zugunsten öffentlicher Einmischung als Text-Performer,
schickte er nebenbei auch Manuskripte an die Verlage Suhrkamp, Kiepenheuer&Witsch und Dumont.
Nach diesen ersten Ablehnungen bewarb er sich noch erfolglos
beim Leonce-und-Lena-Preis (Darmstadt) sowie beim Open-Mike-Preis (Pankow).
Seitdem geht er ohne falschen Energieeinsatz den Weg des „Unbestechlichen“
(Lieblingswort von W.D.Griebenow), indem er selbst Literaturfestivals organisiert,
sein ständig wachsendes Werk im eigenen Verlag publiziert
und permanent Werbekampagnen bzw. Auftritte für seine Programme startet.
Dadurch konnte er die wunderbare Entdeckung machen,
daß es jenseits der Szenen und Klüngel immer häufiger
ungewöhnliche MENSCHLICHE BEGEGNUNGEN gibt,
die dem künstlerischen Prozess dank Seelenverwandtschaft vertrauenswürdig weiterhelfen
anstatt durch unpersönliche (bürokratisch-ideologische) Entfremdungen
den Einfluß auf die institutionelle Vereinnahmung/Ablehnung zu verlieren.
Diesen vielen supernetten Menschen (allen voran den leiblichen Eltern des Dichterfürsten !!!)
sei hier herzlichst für ihr Wohlwollen und Verständnis mit einem innovativen Sonett gedankt,
das  T.de.T.  1999 auf der Durchreise in seinem Geburtsort Jülich (zwischen Aachen und Köln) schrieb –
voraussichtlich sein einziges Sonett, ungewollt (weil völlig ungeplant)
quasi als Image-Alibi für allzu konservative Germanisten,
die noch immer nicht bemerkt haben, daß sogenannte „moderne“
(oder besser: „postpostpostmoderne“ ?!) Lyrik nicht unbedingt „schlecht“ ist
(oder zum Glück, im Sinne von schmutzig: Tabus & tote Formen brechend).
Das Gedicht „SO NETT (Am Sterbebett Bertolt Brechts)“ wurde
vom 4. bis 5.Juli des letzten Jahres des alten Jahrtausends niedergeschrieben und
fällt unter die Werksrubrik des Pseudonyms DNÄ als „NACHDICHTUNG VOM DEUTSCHEN INS DEUTSCHE“,
inspiriert durch die phonetische Struktur von Rilke`s  Sonett („Auf Elizabeth Barrett-Browning“)...
 
 
 
 
 
 
 
Rainer Maria Rilke 
 
SONETT 
Auf Elizabeth Barrett-Browning
 
O wenn ein Herz, längst wohnend im Entwöhnen, 
von aller Kunft und Zuversicht getrennt, 
erwacht und plötzlich hört, wie man es nennt: 
„Du Überfluß, Du Fülle alles Schönen !“ 
 
Was soll es tun ? Wie sich dem Glück versöhnen, 
das endlich seine Hand und Wange kennt ? 
Schmerz zu verschweigen war sein Element, 
nun zwingt das Liebes-Staunen es, zu tönen. 
 
Hier tönt ein Herz, das sich im Gram verschwieg, 
und zweifelt, ob ihm dies zu Recht gebühre: 
so reich zu sein in seiner Armut Sieg. 
 
Wer hat denn Fülle ? Wer verteilt das Meiste ? –  
Wer so verführt, daß er ganz weit verführe:
Denn auch der Leib ist leibhaft erst im Geiste.
 
 
 
 
SO  NETT  (DNÄ)
 
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Samuel Lépo, 4./5.12.97
 
KIELER KÜRZUNG
(VON DER  "LANGEWEILE"
ZUR  "EXTASE STATT ELITE")
 
Anläßlich der Kieler Kundgebung
im Rahmen bundesweiter Demos (60 Unis) am 4.12.97
überarbeitete der Dichter  Tom de Toys
seinen Publikumsrenner "LANGEWEILE" (vom 28./29.10.94)
von 157 auf 87 Zeilen zu einer demagogischen Kurzfassung
mit der Parole "EXTASE STATT ELITE" als neuen Titel,
nachdem er bei der Lastwagen-Lesung am Rathaus
in der 92.Zeile unterbrochen wurde und eine Studentin verhinderte,
daß er den Refrain ("in deutschland is nix los") nochmals brüllte,
obwohl die 5000 Demonstranten begeistert mitgrölten.
Auch der AStA reagierte nicht nur auf den äußerst heftigen Vortragsstil
(Off-Lyrik-Performance) pikiert sondern hatte bereits  T.de T.`s  Seminarstunde
am darauffolgenden Tag (5.12.97, 12-13:30 ur) bei Dr.W.Struck
(Institut für Vergleichende Literaturwissenschaft, Prof.Detering)
finanziell boykottiert, so daß der engagierte Erbe von  Detlev von Liliencron
(1844-1909) dort unentgeltlich den Übergang ins Neuropoelitikum
(Zeitalter poetisch-politischer Perma-Ekstase) anhand seiner
Wahrnehmungstheorie "ERWEITERTE SACHLICHKEIT" (E.S.)
und eigenen Beispielen echter Liebesgedichte (ohne Sehnsucht & Mangel)
darstellte, einhergehend mit der Copy-Art-Aktion
limitierter, signierter Handzettel des Gedichtes "PROST!TUT!ON"
seines einzigen offiziellen Meisterschülers  Der Nachäffer (DNÄ).
 
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Samuel Lépo,  20.11.97
 
SOL(I)DA(RITÄ)T
Entstehungsgeschichte des
DNÄ-Gedichts „STACHEL-ES“
 
Am späten Abend des 18.10.97 landet T.de.T. mit seinem privaten Chauffeur (dem Dichterfreund J.M) auf der Vernissage der Tacheles-AUSstellung „Innen und Außen“, nachdem er in Moabit feststellen mußte, daß der Umzug in die Wohnung seines Performance-Kollegen BBB Johannes Deimling verhindert wird, weil dieser kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit* hat (er pflegt jetzt lieber andere Kontakte, die ihm mehr im schicken Kunstklüngel nützen...).
 
Seit seiner letzten großen Berliner Jugendliebe (1986) spürt T.de.T. einen inneren Ruf zur Hauptstadt, reist aber zunächst aus Flucht vor Europa nach Canada (1991), projeziert dann später seine SEHNSUCHT während einer Minipsychose auf Paris (was am 4.1.92 ungewollt beinahe mit SELBSTMORD endet), bevor er nach sechs Jahren Köln-Training (1989-95) der Einladung von Tom A.Hawk nach Düsseldorf folgt, sich am ‚Labyrinth‘-Projekt der ‚Space Indians International‘ für die geplante (aber aus finanziellen Gründen gescheiterte) Unesco-„Biennale für Kunst und Ökologie“ schriftstellerisch & performativ zu beteiligen.
 
Jobverlust (3 Jahre Kopierladen), die Bekanntschaft mit dem ‚Heavy Gummi‘-Trompeter Marcus Klische (am 1.5.94, woraus zwei Jahre später die Formation DR² entsteht), Ärger mit Heiner Moers, dem Betreiber des ehemaligen ‚BelAir‘ (wo T.de.T. in einer ‚Off-Lyrik‘-Lesereihe bundesweite Kollegen dieser neuen Strömung präsentieren wollte) sowie Verlust des gerade erst im Rahmen der Offenen Ateliertage des BBK** bezogenen Keller-Ateliers (aufgrund veränderter Mietverhältnisse), in dem T.de.T. erstmals eine Lyrik-Rauminstallation zeigt (die zukünftig erweitert + variiert wird), begünstigen nach einer letzten langen Werksquerschnitt-Lesung (am 11.10.95 mit dem Titel „Direkte Poesie“) den Auszug aus Köln:
 
Enttäuscht vom konservativen & langweiligen Literaturklüngel, beschämt über die VISIONSLOSE IGNORANZ der eigenen Generation, bestehend aus: 1. systemkonformen Pseudo-Rezipienten, 2. intoleranten Szene-Neidern, und 3. linksradikalen Selbst-Opfern des 68er-Scheindilemmas (Motto: Kunst oder Aktion?), differenziert er nun seine Pseudonyme voll aus (um den alten Namen „Tom Toys“ -ohne „de“- sterben zu lassen***) und entscheidet sich schließlich, beeinflußt durch die Teilnahme am ersten Berliner „Congress for Performance and Visual Art“ (Sommer 1997 im ‚Dock11‘), sein Engagement endlich ganz nach Berlin zu verlagern, wo bereits Künstler des ‚Tacheles‘ ihn um literarische Unterstützung des (derzeit noch) gefährdeten Kunsthauses baten.
 
Nach mehreren Autobahnstaus und knapp verfehlten Unfällen schreibt er in besagter Ankunftsnacht, infiziert durch die Raum-Installation „Entwurzelt“ (von C. Campo H.), die auf die schwierige Lage der Ruine eingeht, während der dortigen Performance eines Flötenspielers das Gedicht „STACHEL-ES“ unter dem Pseudonym seines einzigen offiziellen Meisterschülers (dem sogenannten „Nachäffer“).
 
Wenige Tage später hängt T.de.T. zweiundzwanzig Plakatkopien desselben ins ‚Tacheles‘-Treppenhaus, je elf stufig versetzt auf beiden Galerie-Etagen, mit spontan getextmarkerten Einzelwörtern, die als zwei vollständige Sätze (aus eben je elf Wörtern) lesbar sind, deren Geheimbotschaften für den späteren G&GN-Sondadruck**** auf die banal-mystische Formel JEDER WILL WURZELN gebracht werden. Nach dieser ersten inoffiziellen Präsentation folgt T.de.T. der Einladung von W. Spahn, dessen Atelier als Gastkünstler mitzunutzen, und schildert der abwesenden Presse sein atmosphärisches Verhältnis zur Kunstruine folgendermaßen:
 
KLAR-T.EX.T.  (27.10.97)
 
 
 
*    (geplant war der Aufbau eines Performance-Zentrums, um 
     dieser Kunstform kontinuierlich ein öffentliches Forum zu 
     gewährleisten – vielleicht sowieso eine zu sterile Idee? 
     Sacramento wird zeigen, was sinnvoll sein kann) 
**  (aktueller Stand: inzwischen ist T.de.T. wieder aus dem 
     Bundesverband Bildender Künstler ausgetreten, weil die 
     Mitgliedskosten bloß der Herausgabe einer faden 
     Vereinszeitschrift sowie aufgebauschten Scheinaktivitäten 
     dienen – ein weiterer Dinosaurier in der Kulturlandschaft) 
*** (der offizielle Tod trat am 2.5.97 mit der Niederschrift des 
     900.Jubiläumsgedichts „ÜBERKRAFT (-HEINE HEFTIG-)“ 
     ein, das dann allerdings zum Auftakt eines Hommage-Zyklus 
     wurde, während bereits „Jakob von Leuchtapfel“ damals 
     amtierender Hauptmitarbeiter im G&GN-Institut war – als 
     letzter Nachtrag folgte dann noch pflichtbewußt im Mai `98 
     der 10-teilige Zyklus „LEGENDE - HOMMAGE AN DIE 
     HAUPTSTADT“ – die Publikation verzögert sich leider) 
****(als limitierte Faksimile-Edition auf grauem Karton, 
     gestempelt & signiert, im DinA5-Format – Restposten noch
     vorhanden zum Stückpreis von neuerdings 33,- statt 3,-DM)
 
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