Tom de Toys, 1.+2.7.1999, Teil 2
 
(RUF)MORDCHARAKTER  ‘TACHELES‘ !!!
„KUNST & (ATTEN)TAT“ ALS KUNSTHAUS-WAHN
 
Fast schon wollte ich Rilke zitieren:
„(...) / Fühlst du jetzt, wie wir uns umgestalten? /
König, König, das Gewicht wird Geist. / (...)“,
als mich die NEUE PEINLICHKEIT in Form eines
Anullierungsantrages der Vorstandswahl (26.6.99) erreichte.
Die letzten Monate zeigten überdeutlich, daß die Euphorie
meines ersten Berichtes „Modellcharakter ‘Tacheles‘ ???“
( siehe im virtuellen G&GN-Institutsarchiv unter:
www.wulle.de/GGN/TomDeToys/modelltacheles.html )
nur in bezug auf die meisten verbliebenen Künstler der Atelier-Etagen
sowie eine „Fraktion“ der alteingesessenen Tachelesen berechtigt ist.
 
(ACHTUNG ACHTUNG:
es wurden von verschiedenen Seiten brandneue Blockauflösungstendenzen
seit der mehrtägigen Klausur auf Schloß Bröllin Ende Oktober gemeldet
– ein kleines Wunder: mehr Tachelaner als erwartet
sehnen sich nach Frieden und Familiensinn...
hoffentlich sind die psychischen Strukturen dafür langfristig stabil genug...
denkt an den Plakatspruch: STOPP DIE SCHLECHTWETTERFRONT – WÄHLT KUNST !!!)
 
Leider genügen destruktive Ausstrahlung & Autismus einzelner
egoman-ideologischer Machtfanatiker, um das Gesamterscheinungsbild
derart zu verzerren, daß es den (KO)-hoch- 4-Kräften fast unmöglich ist, dem
kontroversen Image der Kunstruine eine etwas klarere Linie zu geben.
Zwar genießt das Haus diverse Pluspunkte als „subkulturelle Attraktion“,
doch persönliche Meinungsumfragen quer durch alle Generationen
und Gesellschaftsschichten beweisen immer wieder, daß der gute Ruf
einer derartigen internationalen Institution nicht primär von ihren
relevanten Inhalten abhängt sondern von der erweiterten Attraktivität
ihrer Macher: solange sich die MENSCHEN selber nicht
kommunikativ, interdisziplinär und tolerant präsentieren,
geht die Wirkung des Programms am Wesentlichen vorbei und
verkümmert zu einem weiteren Dinosaurier
in der Kulturlandschaft des auslaufenden Milleniums.
 
Leider können die tagtäglichen Besucher nicht ahnen, daß
WIR SELBER mit denselben E.H.E.-Rat(t)en (= Ekelhafte Ereignisse)
konfrontiert sind, die uns oft genug die Sprache verschlagen,
die Lust lähmen und den Glauben an die Vision einer
„Familie Tacheles“ rauben, obwohl uns die globale Vernetzung
dank Internet und interkulturellem Austausch bereits zeigt, daß
humanistische Ideale auch jenseits naiv-romantischer Halbaufklärung
interessant bleiben. Aber einige vermeintliche Hauskollegen
entblößen sich immer wieder als derart blind & blöde, daß der
zwischenzeitliche Rückzug in die ENERGETISCHE EMIGRATION des
eigenen Arbeitsbereiches zur regenerativen Pflichtübung mutiert, um
den Verbündeten nach der Überqual mit routinierter Überqualität ent-
gegenzulachen – trotz der permanent paradoxen Betriebsatmosphäre:
Du rechnest ständig mit dem näxten Attentat, während Deine
unberechenbare Seele Kunst produziert.
 
Diese ultimative Überübung knüpft (jedenfalls bei mir) direkt an die
Begründung der Kriegsdienstverweigerung an: im Notfall der
Selbstverteidigung würde ich zwar zur Waffe greifen, um mein Leben
(= meine Überlebenswerte) zu schützen, aber im Vorfeld bemühe ich mich,
eine solche Zuspitzung zu vermeiden, um weder meins noch das des
situativen Feindes zu gefährden. Auch, weil Mord aus Notwehr
aufgrund der Positiv-Utopie irreversible psychische Traumata
nach sich zieht, wie man der Prüfungskommission erläutert.
 
Manchmal habe ich allerdings schon beim Betreten des Gebäudes
das Gefühl, sämtliche Kreativität für den Slalom auf einem Minenfeld
zu verschleißen, bevor ich überhaupt mein Atelier erreiche. Es riecht
nach Leichen (im Keller oder unterm Dach ?) und frustrierten Idealisten
(auf der Freifläche oder am Tresen ?), und die Seele vermag in dieser
Gefahrenzone nur, sich am Duft der halbvertrockneten Rosen zu
orientieren, die (unermüdlichen Baumwurzeln gleich) zwischen dem
festgetretenen Knochenteppich immer wieder die Oberfläche sprengen,
um sowohl zur gleißenden Sonne als auch der glühenden Erdmitte hin-
zustreben. Wozu aber das metaphorische Geschwafel, wenn die Raue
„Realität“ (R²) jede Sekunde zählt, um ZUKUNFT ZU B-EINFLUSSEN,
indem sie die Gegenwart intrigant mißbraucht anstatt das Moment der
‘Ewigkeit‘ innerhalb des holistischen Erfahrungskomplexes JETZT als
strukturelle Offenbarung des in sich angekommenen Sayns zu c-
lebrieren: Es gibt den billigen Rausch (des durch Drogen Berauschten)
und das Rauschhafte (des geballt Rauschenden) aufgrund seines
grundlosen Offenbarwerdens in jenen MENSCHEN, die sich dem
Offenen & Baren des inwesenden Sayns in all seiner gegänzigten
Nacktheit öffnen, um es mit ebensolchen anderen grundlos darin
wesend zu teilen. Ein ketzerisches Abendmahl zu früher Stunde.
 
Aus dem Abgrund der sehnsüchtigen Suche nicht nur auf die Oberfläche
der versachlichten Sache heimkehrend sondern den doppelten
Quantensprung aus dem ‘Nichts‘ ins ‘Überalles‘ wagend, wonach kein
Rückschritt mehr möglich ist ohne fahrlässige Verleugnung des
Liebesimpulses integraler Natur. Wodurch die abgründige Untergrund-
vertreibung abgefangen wird mithilfe grundloser Übergrundverleib-
lichtung, um die Freiheit des Freien ohne Fangnetz aufzufangen.
Wofür uns bloß der transformierte All-Tag als B-weis & B-stätigung
dient, glücklicherweise unabhängig davon, ob sich die Simultaneität
paralleler Begegnungen im Unendlichen schneidet oder endlose
Enden erzeugt. Wieviel Bürokratisch „Böses“ (B²) als
infernalische Irrationalität trotzdem bemüht ist, der aristokratischen
Arrationalität des Ganzheitlich „Guten“ (G²) Fallen zu stellen,
in die nur Schwerkraftgläubige fallen, liefert ein äußerst skurriles
Exempel für die Reibungsenergie zwischen klassisch-modernen
Kontrollgebärden und kritisch-postmodernen Kontaktgesten beim
Übergang in ein neues Jahrtausend, dem immer mehr ÜBER-
MENSCHEN abverlangen, daß ihre selbstverständliche Synnlichkait
in den Luftozean multidimensionaler Leichtigkeit mündet, der einen
extatischen Austausch atmungsaktiver Betätigungen garantiert.
 
Weil das letzte große Vermögen der Menschheit zur gemeinsamen
Versicherung ihrer sicherheitslosen SICH-erung des ÜBER-lebens
vielleicht das gegenseitige Sich-Mögen (statt -Morden) sei, damit
die sogenannte „Generation Gegenwart“ (Zitat J.M, im Sinne des
Kulturphilosophen Jean Gebser) in ihrer infrastrukturwellen OFF-
ensive noch offen(sichtlich)er vorwärtsschreiten (statt schlußwort-
reiten) kann. Auf daß sich verhärtete Gefahrenzonen in „heart-core-
positive“ (Zitat M.Klische, Erfinder des HCP) Gefühlszonen verwandeln,
so daß „Ausnahmen die Ausnahmen bestätigen“ (Zitat C.Campo).
 
 
 
 
GLASHAUSSTEINZEIT  (T.de.T.  24.1.00)
 
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