Tom de Toys, 4./5.12.99
 
T.A.C.H.E.L.E.S.
 
T wie
TESTAMENT ODER TRANSPARENZ
lichtdurchlässigkeit statt schattenboxen
A wie
APATHIE ODER APPETIT
leidenschaft statt lähmung
C wie
CHAOS ODER CHARAKTER
würde statt wahn
H wie
HASCHISCH ODER HAPPENING
bewußtsein statt bewußtlosigkeit
E wie
ESKALATION ODER EXHIBITION
freie forschung statt fanatismus
L wie
LEGENDE ODER LEGALITÄT
kulturbereicherung statt kulturbeerdigung
E wie
EGOZENTRIK ODER EXPANSION
vernetzung statt verletzung
S wie
SOUVENIR ODER SUBVERSION
gegenwart statt gedächnis
 
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Tom de Toys,  22./23.10.99
 
DOPPELTE ENTFREMDUNG
Erläuterungen zum „Arationalen Arbeitsbegriff“
als Hommage an den Kreativitätsbegriff von Beuys
 
1.Wahn:
Menschen werden gezwungen zu arbeiten,
obwohl sie lieber frei sein möchten.
 
2.Wahn:
Menschen werden zu Arbeiten gezwungen,
auf die sie keine Lust haben.
 
Warnung:
Wenn Menschen Menschen bleiben möchten,
sind sie gezwungen, nicht zu arbeiten,
bis das Arbeiten anders funktioniert.
 
Kennst Du das: Du wachst morgens früh auf und spürst Dich so deutlich wie sonst nie im Laufe des Tages. Wie frisch geboren erinnerst Du Dich an die Welt und Deine Rolle in ihr und erschrickst darüber, daß dieses erste GROßE GEFÜHL im Getriebe des Alltags völlig untergeht. Gleich wirst Du wieder im Verkehr durch die Großstadt hetzen, um pünktlich am Arbeitsplatz zu sein, umgeben von all diesen ernsten Menschen, die das Gleiche tun. Und jetzt, genau wie Du, noch zwei Minuten in ihren Betten liegen, die Augen öffnen als sei es zum ersten Mal, und ganz genau wie Du dieses unheimliche Gefühl für sich selber spüren: daß sie da sind, einfach da, nicht wegzudenken, und gleich alles weitergeht wie bisher. Dieselbe Arbeit, dieselbe Mittagspause, derselbe Abschiedsgruß, dasselbe Kino, dieselbe Kneipe, und danach wieder dasselbe Bett. Wenigstens das Bett – ein Ort des Friedens. Unendliche Ruhe, Keinem Rechenschaft schulden, nur sich strecken und einkuscheln. Und vergessen. Eine Nacht lang vergessen, was Dich morgen erwartet. Bis ans Lebensende. Hier, im Bett, ist plötzlich alles so klar. So sonnenklar wie noch nie: Du atmest bewußt ein, tief ein, und wieder aus, tief aus. Und weißt, das ist der Anfang von allem. Umgeben von Luft. Umgeben von Sinn. Irgendwie Sinn. Denn Dein Gefühl sagt Dir, daß es Sinn macht, zu leben. Daß das Leben selber eigentlich unglaublich ist. Unglaublich schön und eine großartige Möglichkeit. Immerhin ist dieser Planet ein winziges Staubkorn im riesigen Weltraum. Und ein Menschenleben ist nur eine Sekunde im ganzen Geschehen. Und diese eine Sekunde gehört Dir. Nicht mehr und nicht weniger. Sie ist Dir mit der Geburt geschenkt. Und dann beginnt der Ärger: Sie schreiben Dir vor, wer Du sein sollst, wie Du Dich zu benehmen hast und ob Du überhaupt etwas darfst. Und dabei sind es auch bloß andere Menschen, die Dir befehlen und Dich bezahlen. Auch ihnen wurde diese kostbare Lebenszeit geschenkt. Und auch sie liegen morgens im Bett und gehen täglich derselben Arbeit nach. Unterdrücker, Bevormunder, Gesetzgeber, Machthaber – sie alle sterben irgendwann genau wie Du. Und dann? Was war? War überhaupt irgendwas? Hat es Sinn gemacht, die andern auszubeuten, zu belügen und bestrafen? Wozu diente all der Reichtum letztlich? Wozu all das Gelaber, all das Getue, all die falschen und faulen Versprechungen? Etwas sagt Dir, daß sich schleunigst alles ändern muß. Eine innere Stimme, die schon lange leise in Dir spricht. Und jetzt auf einmal hörbar wird. Der ganze Schmerz, die ganze Trägheit, dieser Käfig der Gewohnheiten, Du bist es satt, es kotzt Dich an, Du möchtest frei sein! Leben! Einfach leben, geben und nehmen im Fluß der Gegenwart. Nicht ständig aus Angst ums Überleben kämpfen. Sondern dieses warme, freundliche Gefühl mit anderen teilen. Diese Lust, das Dasein zu genießen. Zu genießen, indem Du für die Gesellschaft das ablieferst, was Du wirklich leisten kannst. Was Dir am Herzen liegt. Was Dir guttut und Spaß macht. Was Sinn macht. Was Dich selbst erfüllt und deshalb den Anderen Freude bereiten kann. Und sie Dich deshalb brauchen. Und wollen. Menschen, die sich wirklich brauchen und wollen. Anstatt sich dauernd auszubeuten und mißbrauchen. Ein freies Land, nein besser noch ein freier Planet, mit gesichertem Grundbedarf, um wirklich Kraft von innen zu entwickeln, noch mehr daraus zu machen als nötig ist. Weil die gegenseitig selbst genehmigte Freizeit Mut und Lust bereitet, nachzudenken, wie es noch viel besser werden könnte. Und dieses neue Denken ist endlich kein Nachkauen nett verpackter Sprüche sondern Dein eigener Wille, Deine ganz ureigene Fantasie. Du entdeckst Deine wahren Talente. Und Du beginnst, etwas zu schaffen, was Dir früher der Zeitdruck verbot. Du wirst zum Schöpfer, zum Erfinder. Ja, wenn nötig sogar zum Entdecker neuer Berufe. Und das Arbeiten hat endlich mit Deiner „Seele“ zu tun. Weil Du nicht mehr für fremde Ziele schuftest sondern mit anderen freien Menschen gemeinsame Ziele verfolgst, die aus Freude am Leben, aus Freude am Aufwachen, entstehen. Ein Paradies auf Erden, in dem jeder versorgt wird, weil genügend für alle vorhanden ist. Weil alles so verteilt ist, daß jeder bekommt, was er braucht. Und keiner braucht mehr als er wirklich braucht. WEIL DIE LIEBE DEN LUXUS ERSETZT. Und die Liebe kommt durchs Atmen, diesem Schreck, morgens früh, wenn Du wach wirst, frisch geboren, und dann spürst, daß Du noch da bist, und daß es so viele wunderbare Dinge zu tun gibt, um dieses Leben für alle zu verbessern, dieses einzigartige, wunderbare Leben, diese kostbare Sekunde im Weltganzen, dieses ungeheure Wissen, daß die Lähmung aufhört, wenn die Angst aufhört. Und die Liebe FREI FLIEßEN kann. Und die Menschen zusammenschweißt wie Geschwister einer großen Familie. Und Jeder sich seinen Platz frei wählen darf, wo er am besten hingehört. Um glücklich zu sein und aus diesem Lebensglück heraus den Mut zu entwickeln, etwas Echtes zu tun. Etwas für die Gesellschaft zu tun, was genauso guttut wie das Bett, wenn es wärmt und Dich schützt. Denn Du möchtest Dich nicht mehr verkriechen und verstecken. Du möchtest auch tagsüber so echt sein wie mit Dir allein. Und eines schönen Morgens aufwachen und wissen, die Welt da draußen ist ebenso friedlich und ebenso lustig wie Dein Schlaf. Und endlich wieder lachen können. Und deshalb gerne aufwachen. Da wo Du wirklich bist. Kennst Du das ???
 
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Tom de Toys, 8.7.99, für Endre Tót
 
ÜBERNICHTS
(ENDER DEN TOD!)
 
mich langweilt
sogar die abwesenheit
moderner kunst
(genauso wie
ihre erscheinungsbilder)
denn Beides erzeugt
bloß geschichten einsamer
versuche sich etwas
Vorzustellen um nicht
DURCH DAS LOCH
zu fallen bis
leben passiert
 
 
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Tom de Toys,  27.10.97
 
KLAR-T.EX.T.
 
„Schon Yves Klein erkannte, daß die Ausstrahlung des Künstlers selber den Ausstellungsraum energetisch verändert, und so spüre ich im Tacheles sieben Jahre nach dessen Besetzung (zwecks Denkmalschutz) eine neue sehnsuchtsbeladene Aufbruchsstimmung, die nicht nur aus der Bedeutungsgeschichte des Gebäudes resultiert sondern aus dem stellvertretenden Volksbegehren, DAS MENSCHLICHE AM MENSCHEN, seine Möglichkeit zur freien Entfaltung von seelischen Kräften (wie z.B. Lebensfreude im Sinne interdisziplinärer Kommunikation), als zivilisatorischen Prozess ins nächste Jahrtausend hinüberzuretten. Die desillusionierte Hoffnung, in jeder 200% gelebten GEGENWART das Ende des inzwischen über 50 Jahre andauernden 3.Weltkrieges exemplarisch vorwegzunehmen ! So gesehen ist jede ästhetische Autonomie ein felsenfestes Luftschloß mit bombensicheren Luftwurzeln; denn der Anfang und das Ende allen Lebens ist nunmal der ATEM und der Atem einer Gesellschaft ist deren fröhliche Forschung. Allgemeinplätze mit derart freischwebendem schwingenden Boden sind nicht nur schützenswert sondern geradezu notwendige Versuchslabore, um verdrängte Bewußtseinspotentiale innovativ zu nutzen, damit wir nicht in eine sterile Negativutopie abrutschen, die eigentlich keiner will, aber eben die wenigsten zu vermeiden bemüht sind...“
 
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Tom de Toys, 23.2.97
 
PLÄDOYER FÜR DURCHBLICK
 
der feine unterschied zwischen echtem glück,
das in der MYTTE beider liebenden leuchtet,
und dem selbstverlogenen,
wenn sich beider bedürfnisse gegenseitig befriedigen,
ohne den anderen zu meinen.
echtes glück als fähigkeit,
mit dem gegenüber den SINN DES LEBENS zu schaffen –
harte arbeit am leichtesten spiel der welt:
hingabetraining mit empfangsübungen.
unterwegs zur glückseligkeit als transtherapeutische ästhetik.
DER REAL-ABSOLUTE ZUSTAND,
um sich gemeinsam in ruhe zu lassen...
erst das ende des dicht-seins öffnet das bewußtsein
für solche glücksbegegnungen (statt glaubens-beziehungen)
die dich-tung erlauben, wie ich sie verstehe:
aus LIEBE, erlebtem gemeinsamen dasein.
das thema (natur, mensch, kunst, kosmos) des textes ist
dabei abhängig von der (freien!) wahl geteilter aufmerksamkeit,
empfindsamer, empfundener zusammenkunft in situativen
schnittmengen (statt fader übereinkunft in selbstsichernden
kompromissen) nach beider einzeln gestrandetsein
im grenzenlos offenen schauen. im hinschauen.
falsches glück, wenn schlimmstenfalls beide nicht merken,
daß sie sich etwas antun, weil der ichpanzer wie eine
gummiwand zum sanften bis brutalen gegeneinandertitschen
verführt mit der narzißtischen hoffnung einer größtmöglichen
(bestenfalls „idealen“) reibungsfläche.
im gegensatz zu solchen überholten (gottes)vorstellungen,
die etwas sogenanntem „letztlichen“ in der eingebildeten
verbindungungslinie zwischen angeblich unantastbaren
bewußtseinskernen raum zur vermeintlichen offenbarung gaben,
nenne ich das, was „zwischen“
derartig entkernten präsentikern erstrahlt,
auch das Loch oder Vakuum, denn es existiert nicht
ohne die sich direkt wahrnehmenden (gelochten!)
kraftfelder des holistisch be(f)reiten multiversums.
diese E²-erfahrung („erleuchtetes ereignis“),
die früher nur wenigen eingeweihten & verrückten zugänglich war,
diese durch und durch menschliche erkenntnis
durch angewandte seinsfühlung, hat radikal-ideologiekritische
(symbol-sabotierende!) auswirkungen auf
staats- und religionssysteme, wie ich seit jahren
in vielen gedichten, essays, modellen und
(mitmach-) performances versuche darzustellen.
 
 
 
 
LEIDENSCHAFT...  (20./21.6.99)
 
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